Ortsunabhängige Festanstellung, das geht! [Interview mit Teresa Bauer]

Immer wieder kommt bei mir die Frage auf, ist Remote Arbeiten nur was für Selbstständige? Als Freelancer bestimmst du deinen eigenen Rhythmus, das ist klar. Du sorgst dafür, dass du genügend Kunden hast und lieferst pünktlich deine Ergebnisse ab. 

Dabei ist es dem Kunden immer öfter egal, von wo aus die Arbeit erledigt wird. Was zählt sind die Ergebnisse. Anders ist es jedoch in Unternehmen. 

Arbeitszeiten sind fest definiert und teils wird die Anwesenheitspflicht durch Ein- und Ausstempeln kontrolliert. 

Für Teresa Bauer von GetRemote ist dieser Ansatz veraltet. Unternehmen können auch flexibel sein und deshalb bringt sie mit ihrer neuen Plattform Leute, die einen Remote Job suchen, mit Unternehmen, die ortsunabhängiges Arbeiten unterstützen zusammen. 

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Was ist deine Idee hinter GetRemote?

Mit GetRemote möchte ich das Arbeitsmodell “ortsunabhängige Festanstellung” in Deutschland salonfähig machen und damit die Freiheit einer Selbstständigkeit und die Sicherheit einer Festanstellung verbinden.

Die Idee für GetRemote ist aus meiner Arbeitsweise der letzten 4 Jahre entstanden. Ich habe in einer Berliner Online Marketing Agentur gearbeitet und wollte meine Reiselust im Winter und die regelmäßigen Besuche bei meiner Familie in Passau nicht in ein Korsett von 26 Urlaubstagen pressen lassen. 

Deshalb habe ich meinen Chef davon überzeugt, mich teilweise ortsunabhängig arbeiten zu lassen - erstmal als Einzige im Unternehmen und nach einer Bewährungszeit habe ich dann unser ganzes Team auf diese Arbeitsweise umgestellt.

Viele Menschen wünschen sich diesen freien und flexiblen Lebensstil und denken, dass sie das nur über eine Selbstständigkeit oder als Freelancer realisieren können, so wie man es aus der Digitalen Nomaden Szene kennt.

Für einige ist das auch der Königsweg in ein freies Arbeitsleben – ich bin allerdings der Meinung, dass nicht jeder zur Selbstständigkeit geeignet ist oder Lust darauf haben muss. 

Genau diesen Menschen möchte ich mit GetRemote eine Alternative bieten und ihnen zeigen, dass man sich sehr wohl auch in einer Festanstellung ein freies (Arbeits-)Leben erschaffen kann.

Mit der GetRemote Jobbörse möchte ich eine Anlaufstelle für Jobsuchende schaffen, die in einer ortsunabhängigen Festanstellung arbeiten möchten und verbinde sie dort mit Unternehmen, die genau dieses Arbeitsmodell anbieten.

Wer ist deine Zielgruppe?

Meine Zielgruppe sind Angestellte, die schon einige Jahre im Berufsleben stehen und einen typischen “Laptop-Job” haben. 
Sie haben es satt, den Großteil ihrer Lebenszeit im Büro zu verbringen und wünschen sich mehr Flexibilität in ihrem Arbeitsalltag. 
Eine Selbstständigkeit ist aber nicht so ihr Ding und sie schätzen die Sicherheit einer Festanstellung mit einem regelmäßigen monatlichen Gehalt sehr. 

Da viele nicht wissen, wie sie ihre Wunschvorstellung für sich realisieren können, begleite ich diese Menschen im 1:1 Coaching auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Arbeitsleben und habe eine Facebook Gruppe für den Austausch zum Thema ortsunabhängige Festanstellung gegründet.

Außerdem wenden sich auch Freiberufler an mich, denen das Freelancer-Dasein in irgendeiner Art und Weise etwas zu anstrengend geworden ist und die sich etwas mehr Planbarkeit und Sicherheit durch eine Festanstellung wünschen. Hier ist eine ortsunabhängige Teilzeit Festanstellung oft attraktiv, neben der weiterhin Freelance-Projekte angenommen werden können.

Unternehmen, die dieses Arbeitsmodell bereits erfolgreich leben, gehören ebenfalls zu meiner Zielgruppe. Diese innovativen Arbeitgeber stelle ich auf meinem GetRemote Blog vor, um zu zeigen, dass es bereits einige erfolgreiche Vorreiter gibt und dadurch mehr Unternehmen für diese Arbeitsweise zu begeistern.

Was macht einen Remote Job in Festanstellung aus?

Das Hauptmerkmal eines Remote Jobs in Festanstellung ist, dass ein fester Teil der Arbeitszeit nicht im Büro, sondern ortsunabhängig gearbeitet wird.

Da das Feld des ortsunabhängigen Arbeitens sehr groß ist, ordne ich die Stellenanzeigen in meiner Jobbörse 3 Kategorien zu, die sich im Grad der Flexibilität unterscheiden:

moveyouroffice.io Remote Level ortsunabhaengige festanstellung
  • City Remote: In der City Remote Variante wechselt man zwischen Büro- und Remote Tagen innerhalb einer bestimmten Stadt. Der Begriff Home Office ist mir etwas zu eng auf die eigenen vier Wände bezogen, weshalb ich die Bezeichnung City Remote eingeführt habe. Als Mitarbeiter kann man also entscheiden, ob man an seinen remote Tagen wirklich zu Hause oder doch lieber in einem Coworking Space oder in einem Café um die Ecke arbeiten möchte. Große Reisen als digitaler Nomade sind hier nicht möglich, aber vielen Menschen reicht auch schon ein bisschen mehr Flexibilität in ihrem Arbeitsalltag.
  • Half Remote: Die Half Remote Variante entspricht dem City Remote Arbeiten und zusätzlich können Mitarbeiter nach vorheriger Absprache für ein paar Wochen im Jahr auch komplett ortsunabhängig arbeiten. Das ist mein persönliches Lieblingsmodell, weil hier der optimale Mix aus Freiheit und Zusammenarbeit im Büro gegeben ist.
  • Full Remote: Wer die absolute Freiheit sucht, ist in der Full Remote Variante gut aufgehoben. Diese Unternehmen arbeiten komplett ortsunabhängig, setzen auf rein virtuelle Zusammenarbeit und haben gar kein Büro mehr. Somit ist auch in Festanstellung ein digitales Nomadenleben möglich.

Je nach Bedürfnis und Lebenssituation kann jeder Jobsuchende entscheiden, welche Kategorie am besten zu ihm passt.

Wie erreicht man das Vertrauen bei seinem Arbeitgeber, um City Remote oder sogar full remote zu arbeiten?

Der beste Tip, den ich hier geben kann ist: Einfach mal fragen! Das klingt so banal, ist aber äußerst effektiv. Wir haben oft die Annahme, dass unser Arbeitgeber grundsätzlich gegen flexibles Arbeiten sind, ohne wirklich darüber gesprochen zu haben.

Ich habe schon oft die Erfahrung gemacht – sowohl bei mir selbst, als auch bei meinen Kunden – dass Unternehmen diesem Modell gegenüber viel aufgeschlossener sind, als man denkt. Meine Empfehlung dazu: Wenn du einen klaren Plan vorlegst, wie du dir das Remote Arbeiten vorstellst und erstmal eine Testphase vorschlägst, hast du gute Chancen. Nachdem du dich dann mit 1 - 2 Remote Arbeitstagen pro Woche in der City Remote Variante bewährt hast, kannst du dir langsam mehr Freiräume erarbeiten.

Und sollte sich dein Arbeitgeber komplett quer stellen, dann solltest du tatsächlich überdenken, ob dieses Arbeitsverhältnis deinen Lebensvorstellungen entspricht und gegebenenfalls wechseln. In meiner Jobbörse wirst du bestimmt fündig ;)

GetRemote Jobboerse

Was sollte ein Unternehmen machen um Remote Arbeit anbieten zu können?

Die technischen Voraussetzungen und Tools sind heute kein Problem mehr beziehungsweise sie sind schnell eingerichtet. Das Wichtigste ist meiner Meinung nach die richtige Kommunikation. Dabei unterstütze ich Unternehmen mit Teamcoaching Workshops, in denen gemeinsam mit dem jeweiligen Team die Werte und Regeln für das ortsunabhängige Arbeiten gelegt werden. 

Nur wenn für jedes Teammitglied die Dos und Don’ts klar sind, kann remote Arbeit funktionieren.

In welchem Zeitraum soll ich auf Nachrichten antworten? Wie genau muss ich erreichbar sein? Gibt es feste Arbeitszeiten oder kann ich manche Arbeitsschritte sogar zeitunabhängig ausführen? Gibt es ein morgendliches Check-In?

All diese Fragen sollten gründlich beantwortet und dokumentiert werden, damit sich auch neue Mitarbeiter an diesen Richtlinien orientieren können. Ich empfehle, diesen Teamcodex alle 3 - 6 Monate zu überdenken und falls nötig anzupassen.

Nenn uns zum Abschluss deine besten Tipps, mit denen du beim Remote Arbeiten fokussiert bleibst?

  1. Schalte deine Push-Benachrichtigungen am Handy und am Computer aus. Die “Nicht-Stören” Funktion ist dein bester Freund, um fokussiert zu bleiben!
  2. Setze dir ein klares Zeitfenster für deine Arbeitsschritte und wechsle danach zur nächsten Aufgabe, auch wenn du noch nicht fertig bis. Du wirst überrascht sein wie effektiv du nach einiger Zeit sein wirst.
  3. Erziehe deine Kollegen und Kunden so gut es geht auf Telefonanrufe zu verzichten. Nichts ist zeitfressender als Telefonate, die genauso gut per Mail geklärt werden hätten können.
  4. Trage Kopfhörer, wenn du in einem Coworking Space oder Café arbeitest. Mit diesem Signal wahrst du deine Arbeitszone und verhinderst, ständig angesprochen zu werden.

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